Kolpingsfamilie Durlach


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Adolph Kolping

Adolph Kolping

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Adolph Kolping (* 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln; † 4. Dezember 1865 in
Köln) war ein deutscher katholischer Priester, der sich insbesondere mit der
Sozialen Frage auseinandersetzte, und der Begründer des Kolpingwerk


Leben

Kindheit und Handwerkslehre

Kolpings Geburtshaus in Kerpen
Adolph Kolping war das vierte von fünf Kindern des Lohnschäfers Peter Kolping (†
12. April 1845) und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Zurheyden († 4. April
1833). Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Von 1820 bis 1826 besuchte er
die Volksschule. Mit 12 Jahren erlernte er auf Wunsch der Eltern in Kerpen
zunächst das Schuhmacherhandwerk. Seine Kindheit beschrieb Kolping trotz der
familiären Armut als glücklich. Nach der Lehre und der Gesellenprüfung arbeitete
Kolping von 1829 bis 1832 als Schuhmachergeselle in Sindorf, Düren und Lechenich
und danach in einer der damals führenden Werkstätten in Köln. Das Angebot, in
diesen Betrieb einzuheiraten, lehnte er ab und wechselte die Stelle.

Weg zum Studium

Kolping war entsetzt von den oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen und
Lebensweisen der meisten Handwerksgesellen, die er während seiner Wanderschaft
kennenlernte. Eine möglicherweise durch diese Verhältnisse bedingte Krankheit
zwang ihn als 22-Jährigen, die Tätigkeit als Handwerker vorübergehend
aufzugeben. Knapp zwei Jahre später – im Alter von fast 24 Jahren – besuchte er
das Gymnasium, um danach zu studieren und Priester zu werden. Bevor Kolping im
Herbst 1837 in das Marzellengymnasium in Köln eintrat, nahm er Unterricht in
Latein.

Nach nur dreieinhalb Jahren bestand Kolping das Abitur; am 3. April 1841 erhielt
er das „Zeugnis der Reife“. Danach studierte er in München (1841–1842) und Bonn
(1842–1844) sowie ab dem 26. März 1844 am Erzbischöflichen Clericalseminar in
Köln Theologie. Dass er ohne wirtschaftliche Not studieren konnte, verdankte er
im Wesentlichen Marialen (Maria Helena) Meller (* 16. April 1809; † 19. Mai
1878), einer Tochter des Gutsbesitzers, dessen Schafe sein Vater hütete. Sie
hatte in der Sorge um einen ihr nahestehenden Menschen das Gelübde abgelegt,
einen Theologiestudenten zu unterstützen. Unterstützung erfuhr Kolping aber auch
durch andere Wohltäter.

Priester und „Gesellenvater“

Kaplan in Elberfeld

Am 13. April 1845 wurde er in der Kölner Minoritenkirche zum Priester geweiht
und danach zunächst in Elberfeld, heute ein Stadtteil von Wuppertal, als Kaplan
und Religionslehrer eingesetzt. Er traf wieder auf die gleiche soziale Situation
wie seinerzeit in Köln als Geselle. Mit tiefer Armut, sklavischer
Arbeitsausbeutung und allgemeiner Verelendung verbanden sich für viele junge
Männer geistige Verwahrlosung und Apathie zu einem Milieu, das kaum Hoffnung auf
ein sinnerfülltes Leben gab. Im Juni 1847 wurde er als Nachfolger des nach
Wermelskirchen versetzten Kaplans Steenartz zum zweiten Präses des 1846 von
Johann Gregor Breuer (1820–1897) gegründeten katholischen Gesellenvereins
gewählt, der seinen Mitgliedern insbesondere in den Wanderjahren fern von zu
Hause, soziale Unterstützung, Bildung, Geselligkeit und einen religiösen Halt
gab. Kolping erkannte die Bedeutung des Gesellenvereins und war bestrebt, die
Idee über Elberfeld hinauszutragen, was nach seiner Überzeugung jedoch nur von
einer größeren Stadt aus möglich war. Er bat deshalb Erzbischof Johannes von
Geissel um eine Stelle in Köln.

Gründer des Kölner Gesellenvereins

Gedenktafel an der Nikolaikapelle in Soest

Gedenktafel zur Gründung des Gesellenvereins in Salzburg
1849 kehrte Kolping als Domvikar zurück nach Köln und gründete dort am 6. Mai
mit sieben Gesellen in der Kolumbaschule den Kölner Gesellenverein; am 1. Januar
1850 hatte der Verein bereits 550 Mitglieder. Wie in Köln entstanden schnell
auch in anderen Städten Gesellenvereine; bis zu Kolpings Tod im Jahr 1865 waren
es 418 mit 24.000 Mitgliedern. Im Herbst 1850 schloss Kolping die Vereine
Elberfeld, Köln und Düsseldorf zum „Rheinischen Gesellenbund“ zusammen, der sich
ab 1851 „Katholischer Gesellenverein“ nannte, um über die rheinischen Grenzen
hinaus offen zu sein. Dieser Zusammenschluss war die Keimzelle des heutigen
internationalen Kolpingwerkes.

Der Verein sollte den wandernden Gesellen einen ähnlichen Halt geben, wie ihn
nach Kolpings Überzeugung nur die Familie bietet, und die von ihm initiierten
Gesellenhospize sollten für die Mitglieder „ein Familienhaus sein, in dem sie
gewissermaßen ihre Familie, gleichgesinnte und gleichberechtigte Freunde
wiederfinden und mit ihnen in inniger freundschaftlicher Weise
zusammenleben. Die Gesellenhäuser waren deshalb nicht nur wohnliche
Herberge, sondern auch Schule, die es den jungen Handwerkern ermöglichte, sich
religiös, politisch und fachlich zu bilden. Außerdem sollten sie Gelegenheit zur
Geselligkeit geben.

Ferner wurden in dem Verein Krankenpfleger gewählt, die laut Satzung
verpflichtet waren, einen Kranken, der ihnen gemeldet wurde, im Lauf von 24
Stunden aufzusuchen und sich über die Krankheit sowie deren Grund zu
informieren, nötigenfalls ärztliche Hilfe herbeizuholen und für den Kranken zu
sorgen. Über diese Krankenpflege hinaus stellte Kolping sich selbst als
Seelsorger für Cholerakranke zur Verfügung. Eine Vergütung der Stadt Köln für
diese Tätigkeit lehnte er ab; das Geld wurde für den Gesellenverein verwandt.

Gesellenhaus an der Breiten Straße in Köln

Die Gesellenhospize hielt Kolping für unerlässlich und versuchte seit 1851, ein
Haus für den Kölner Gesellenverein zu erwerben. In einer eigens herausgebrachten
Broschüre bat er in „Bettelartikeln zugunsten des Hospitiums“ um Spenden für das
Haus. Am 14. August 1852 kaufte er in der Breiten Straße für 14.200 Taler ein
Anwesen mit einem großen Gebäude und Garten, um Versammlungsräume und ein Hospiz
für durchreisende Gesellen einzurichten. Am 8. Mai 1853 konnte das Haus
bezogen werden, das nicht nur Herberge, sondern eine Art Heimschule war.

Kolping als Publizist

Kolpingkreuz an Gut Ving bei Wissersheim
Bereits in seiner Gesellenzeit schrieb Kolping Gedichte und wurde während seiner
Studienzeit ab und an journalistisch tätig. Seit den Jahren in Elberfeld
arbeitete Kolping dann neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit mehr und mehr als
Schriftsteller und Journalist. Er schrieb unter anderem für das „Rheinische
Kirchenblatt“, das in Düsseldorf erschien, war ab 1850 Redakteur und von 1852
bis 1853 Herausgeber des „Katholischen Volkskalenders“ sowie von 1854 bis 1865
Herausgeber des „Kalenders für das katholische Volk“. Von 1850 bis 1854 schrieb
er für das „Rheinische Kirchenblatt“, bevor er die Wochenzeitung „Rheinische
Volksblätter“ gründete, deren erste Ausgabe am 1. April 1854 erschien und die
schnell zu einem der erfolgreichsten katholischen Presseorgane ihrer Zeit wurde.
Darüber hinaus arbeitete Kolping bis zu seinem Tod als freier Mitarbeiter
verschiedener Zeitungen und Zeitschriften.

Kolping sah in der Pressearbeit eine Möglichkeit, die Missstände des 19.
Jahrhunderts und insbesondere die wirtschaftliche wie auch seelische Not vieler
Menschen aufzuzeigen, um sie zu lindern. Die Tätigkeit als Publizist brachte ihm
überdies die für sein Lebenswerk, den Gesellenverein, nötige wirtschaftliche
Sicherheit.

Letzte Lebensjahre

Kolpinggrab in der Minoritenkirche
Von Jugend an trafen Kolping schwere Krankheiten. Trotzdem ließ er sich 1858 zum
Generalpräses aller bis dahin bestehenden 180 Gesellenvereine wählen und setzte
alle Kraft ein, den Gesellenverein weiter zu verbreiten. Dazu unternahm er
mitunter beschwerliche Reisen. Im September 1861 musste er jedoch die Teilnahme
am Katholikentag in München und am Treffen der Gesellenvereinspräsides absagen,
nachdem sich sein Gesundheitszustand bedrohlich verschlechtert hatte. Im Mai
1862 aber war es Kolping vergönnt, nach Rom zu reisen und dem Papst sein Werk
vorzustellen. Als Anerkennung schenkte ihm Pius IX. ein kostbares Messgewand,
das noch erhalten ist.

Vorübergehend schien sich Kolpings Gesundheit zu stabilisieren, doch ab dem
Frühjahr 1865 litt er an einer schweren Gelenkentzündung im rechten Unterarm.
Noch einmal reiste er, um für den Gesellenverein zu werben: Im September fuhr er
nach Trier und nahm an der Einweihung des Gesellenhauses teil. Danach aber
häuften sich Erstickungsanfälle, an denen er vier Tage vor Vollendung des 52.
Lebensjahres im Gesellenhaus an der Breiten Straße starb.

Seit 1862 war Kolping Rektor der Minoritenkirche (Köln), in der er entsprechend
seinem Wunsch am 30. April 1866 beigesetzt wurde. Zunächst war er auf dem
Melatenfriedhof beerdigt.
Kolping-Denkmal von Johann Baptist Schreiner, 1903 in Köln errichtet

Nachfolger von Adolph Kolping im Amt des Generalpräses

1866–1901: Sebastian Georg Schäffer
1901–1924: Franz Hubert Maria Schweitzer
1924–1944: Theodor Hürth
1945–1947: Johannes Dahl
1948–1961: Bernhard Ridder
1961–1972: Heinrich Fischer
1972–2002: Heinrich Festing
2002–2011: Axel Werner
seit 2011: Ottmar Dillenburg

Seligsprechung

Am 21. März 1934 eröffnete Karl Joseph Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln,
formell den Seligsprechungsprozess für Adolph Kolping.

Am 27. Oktober 1991 wurde Kolping von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
Die römisch-katholische Kirche feiert den Gedenktag Adolph Kolpings am 4.
Dezember. Zuvor besuchte Papst Johannes Paul II am 15. November 1980 die
Minoritenkirche zu Köln. Am Grabe Kolpings betete er und formulierte den Satz:
„Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute.“
Der Heiligsprechungsprozess dauert an.


Kolpingmuseum

1963, zu Kolpings 150. Geburtstag, wurde in einem Nebengebäude seines
Geburtshauses in Kerpen ein Museum in der Trägerschaft des Kolpingwerkes
eingerichtet, das Originale oder zeitgerechte Dokumente und Exponate zu Leben,
Werk und Nachwirkung ausstellte. Der Grundstock der Möbel stammte aus dem Besitz
seiner Nichte Anna Catharina Kolping (1841 bis 1914), der Tochter seines Bruders
Wilhelm, die Kolpings Haushalt geführt und ihn beerbt hatte. Sie war nach dem
Tod ihres Onkels wieder nach Kerpen gezogen. Auch die dort aufgebaute
Schusterwerkstatt (Tisch und Werkzeug) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts soll
aus dem Besitz Adolph Kolpings stammen. Das Haus war bereits 1913 vom Generalrat
des katholischen Gesellenvereins aufgekauft worden. Die Möbel wurden 1926 dem
Kerpener Gesellenverein übereignet. Eine Besichtigung ist nach Vereinbarung mit
dem örtlichen Kolpinghaus kostenlos möglich. 1967 wurde in Dettelbach ein
Kolping- und Handwerksmuseum im Faltertor eröffnet.



Literatur
Christian Feldmann: Adolph Kolping. Ein Leben der Solidarität. Herder,
Freiburg 2008, ISBN 3-451-32135-1.
Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk. Verlag Herder, Freiburg im
Breisgau 1981, ISBN 3-451-19476-7.
Hubert Göbels: Adolph Kolping. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12,
Duncker & Humblot, Berlin 1980, S. 475–477. (Onlinefassung)
Bernd Kettern: Adolph Kolping. In: Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 357–361.
Josef Klersch: Adolf Kolping (1813–1865). In: Rheinisch-Westfälische
Wirtschaftsbiographien, Band I. Aschendorff, Münster 1931, S. 73-92.
Hans-Joachim Kracht: Adolph Kolping, Priester, Pädagoge, Publizist. Im Dienst
christlicher Sozialreform. Leben und Werk aus den Quellen dargestellt. Herder,
Freiburg 1993, ISBN 3-451-21327-3.
Franz Lüttgen: Johann Gregor Breuer und Adolph Kolping. Studien zur
Frühgeschichte des Katholischen Gesellenvereins. Bonifatius-Verlag, Paderborn
1997, ISBN 3-87088-977-2.
Franz Heinrich Reusch: Kolping, Adolf. In: Allgemeine Deutsche Biographie
(ADB). Band 16, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 492 f.
Bernhard Ridder: Kolpings Grabeskirche, das Familienheiligtum der
Kolpingssöhne. Kolping Verlag, Köln 1958.
Paul Steinke: Leitbild für die Kirche: Adolph Kolping. Bonifatius GmbH,
Paderborn 1992, ISBN 3-87088-683-8.

Weblinks

Commons: Adolph Kolping – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikiquote: Adolph Kolping – Zitate
Literatur von und über Adolph Kolping im Katalog der Deutschen
Nationalbibliothek
Adolph Kolping auf den Seiten des Kolpingwerks Deutschland
Zitatensammlung „Gelebtes Christentum“ (PDF-Datei; 80 kB)

Einzelnachweise
? Kolping-Zitat in Hanke/Grünewald: In Rom dabei, S. 5, Echo Buchverlag, Kehl
1991, ISBN 3-927095-08-7
? Steinke: Leitbild für die Kirche: Adolph Kolping, S. 125 (Zitat aus
Kolpingschriften 4)
? Festing: Adolph Kolping und sein Werk, S. 63
? Heinrich Festing: Adolf Kolping und sein Werk. Verlag Herder, Freiburg
1981, ISBN 3-451-19476-7, S. 67–71.
? Paul Steinke: Leitbild für die Kirche: Adolph Kolping. Bonifatius,
Paderborn 1992, ISBN 3-87088-683-8, S. 91–99.

Normdaten (Person): PND: 118564978 (PICA) | LCCN: n82013272 | VIAF: 19716606 |
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